

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts legten verheerende Großbrände ganze Städte und Ortschaften in Schutt und Asche, z. B. Oberstdorf und Murnau. Die Bauweise der Häuser sowie ungenügende Organisation der Löschmannschaften waren Gründe für diese Katastrophen. Danach bildeten sich "Hilfscomiteés", die eine breite Öffentlichkeit um Spenden für die Betroffenen baten. So gelangte die Kunde in alle bayerischen Orte. Verständlich, dass die Magistrate aller Städte und Märkte um die Sicherheit ihrer Kommunen besorgt waren.
Ein zweites kam hinzu: Die liberale bayerische Gesetzgebung gestattete die Ausweisung der bisherigen Stadtgrenzen durch Neubauten in bisher landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Die Löschmannschaften konnten mit dieser Vergrößerung ihres Aufgabenbereichs nur selten Schritt halten.
Dazu kam eine starke sozial Unruhe. Der Verarmungsprozess der Handwerkerschichten, deren Produkte durch Industriewaren ersetzt wurden, der Mangel an Weideland, führte zu sozialen Unruhen, die in Kelheim 1852 zu einem Aufruhr der Kleinbauern führten, den die vorhandene Sicherheitstruppe, die Landwehr, nur mit Müh und Not eindämmen konnte. Überall kam es zu Brandstiftungen. Drohungen, ganze Städte anzuzünden, gab es genug.
Im folgenden Jahr 1865 regnete es im Früh- und Hochsommer nur selten. Die anhaltende Dürreperiode hatte mehr Brandfälle als sonst üblich in Folge. Im gleichen Jahr brannte das Städtchen Schauenstein im Bezirksamt Naila fast ganz ab: 85 Haupt- und 93 Nebengebäude gingen in Flammen auf. Am 6. Mai 1865 legte ein Brand praktisch ganz Oberstdorf in Schutt und Asche. Kurz darauf erlitt die Stadt Moosburg ein ähnliches, wenngleich nicht so tief greifendes Schicksal. Diese sich häufenden Brandkatastrophen gaben zu denken. Sie zwangen dazu, die Sicherheitsvorkehrungen in den eigenen Heimatorten neu zu überdenken.
Beim Liedertafelball am 2. Juli 1865 besprachen mehrere Bürger die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr; besonders waren dafür begeistert die Herren Bürgermeister Haberl, Kaufmann Widmann, Bankagent Braun und Brauereibesitzer Obermayer. Vermutlich war es nicht gelungen, den für Beschlüsse allein zuständigen sechsköpfigen Magistrat von dem Wert einer Feuerwehr zu überzeugen. So ergriff das achtzehnköpfige Gremium der Gemeindebevollmächtigten am 16. August 1865 die Initiative, ein Beschluss stand aber noch immer aus.
Ein gewisser Druck wurde durch die damals sehr belasteten Feuerversicherungsanstalten ausgeübt. Aufgrund eines verheerenden Brandes in Abbach, zu welchem auch Kelheimer Löschmannschaften eilten, wurden bestehende Mängel aufgedeckt und man sah, dass eine Neuordnung der bisherigen Hilfspraxis dringend erforderlich war. Bisher in Kelheim noch bestehende Widerstände gegen die Schaffung einer Feuerwehr neuen Typs waren nun, auch von seiten der übergeordneten Behörden, ausgeräumt.
Haberl, Widmann und Braun veröffentlichten im „Amts- und Wochenblatt für das kgl. Bezirksamt Kelheim“ einen Aufruf zur Bildung eines Feuerwehr-Corps. Eine Besprechung darüber wurde auf den 23. September 1865 im Refektorium bei Obermayer angesetzt. Es handelt sich um die Klostergaststätte am Fuße des Michelsberges.
Das vorbereitende Komitee bestand aus Bürgermeister Haberl, Stadtschreiber Schnurer, Kaufmann Nieder, Schiffmeister Rieder, Gastwirt Halbritter, Färbermeister Schmaus, Posamentierer (Hersteller von Borten und Besätzen) Mayer, Spängler Hällmayer und Gastwirtsohn Obermayer. Die neun Personen (zwei Kaufleute, ein Beamter, drei Gastwirte – Riederer betrieb auch eine Gastwirtschaft – und drei Handwerker) zeigten einen genauen Querschnitt der damaligen städtischen Oberschicht. Bürgermeister Haberl betrieb im heutigen Anwesen Donaustraße 1 einen Kaufmannsladen.
Die am 23. September 1865
tagende, gut besuchte Gründerversammlung setzte drei Komitees
ein:
1. Statutenentwurf
2. Finanzielle Fragen
3. Organisation der Feuerwehr
Am 11. Oktober 1865 richtete das oben genannte Gründergremium an den Stadtmagistrat die Bitte, das Feuerwehr-Corps errichten zu dürfen. Inzwischen waren 211 Gulden an freiwilligen Beiträgen eingegangen, hatten sich genügend Bewerber für die Wehr gefunden.
Das Gremium der Gemeindebevollmächtigten befürwortete die obige Bitte bereits am 19. Oktober 1865. Im Stadtmagistrat sorgte Bürgermeister Haberl für die allgemeine Zustimmung.
Schon am 28. Oktober 1865 schritt man in der Klostergaststätte zur ersten ordentlichen Generalversammlung. An diesem Tag wurde die neue Satzung beschlossen und in Kraft gesetzt. Etwa 60 Aktive der neuen Feuerwehr traten an diesem Tag in das Corps ein. Am 10. November 1865 trafen sie sich bei „Herrn Halbritter“ in der heute nicht mehr existierenden Gastwirtschaft „Zum grünen Kranz“ (Altmühlstr. 7).
Die Wahlen erbrachten folgendes Ergebnis:
| Funktion | Name |
| Korpshautmann: | Gastwirtsohn Jakob Rieder |
| Adjutant des Hauptmanns: | Bräumeister Johann Funk |
| Requisitenmeister: | Gastwirt Johann Halbritter |
| Schriftführer und Kassier: | Kaufmann Johann Sedlmayr |
| 1. Spritzenmeister: | Spängler Georg Hällmayr |
| 2. Spritzenmeister: | Michael Gietl |
| Rottenführer der Steiger: | Georg Mayer |
| Rottenführer der Retter: | Lampersdorfer |
| 1. Rottenführer der Spritzenleute: | Anton Schmaus |
Kommandanten
| Name | von / bis |
| Rieder Jakob | 1866 - 1872 |
| Funk Johann Baptist | 1872 - 1875 |
| Mathes Johann | 1875 - 1878 |
| Brunner Alois | 1878 - 1887 |
| Falzboden Johann | 1887 - 1888 |
| Ammann Rupert sen. | 1888 - 1919 |
| Ammann Rupert jun. | 1919 - 1929 |
| Braun Josef | 1929 - 1950 |
| Biller Max | 1950 - 1955 |
| Wanninger Josef | 1955 - 1961 |
| Braun Josef | 1961 - 1983 |
| Sinzenhauser Georg | 1983 - |
Vereinsvorstände
| Name | von / bis |
| Wagner Georg, Sattlermeister | 1921 – 1939 |
| Aukofer Johann, Braumeister | 1945 – 1983 |
| Aman Ludwig, Fuhrunternehmer | 1983 – 1990 |
| Reiche Heinz, Bürgermeister | 1990 – 2002 |
| Habereder Johann | seit 2002 |